Cornelius Kolig im Gespräch für das Video zum „Paradies“ (03:15 min., 2018, Video © Peter Putz, www.ewigesarchiv.at)
„Das Paradies, das ist heute ein etwa 5.000 m2 großes Areal in meinem Geburtsort Vorderberg im Gailtal in Kärnten, auf dem ab 1979 im Laufs von drei Jahrzehnten Gebäude und Gartenelemente für die darin versammelten Objekte und Installationen entstanden sind. Der zeitliche Bogen der Werke spannt sich von den ersten Arbeiten bis zu denen der letzten Jahre, umfasst also bis auf einige wenige wichtige Werke, die sich in anderen Sammlungen oder in Privatbesitz befinden, beispielhaft fast mein gesamtes Lebenswerk von 1962 bis heute. Manche der verloren gegangenen oder verkauften Arbeiten, aber auch solche im öffentlichen Raum, die nach wie vor gedanklicher Teil des Gesamtkonzeptes des Paradieses sind, werden in dieser Bedienungsanleitung in Texten und Fotos angeführt (siehe Fotoarchiv).
Beinahe alle Objekte haben neben ihren Eigenschaften als Plastik oder Skulptur auch Gerätecharakter und lassen sich benutzen, aber nicht an allen ist die Art und Weise ihrer Bedienung ohne Anleitung ablesbar. Das soll aber Benutzer nicht davon abhalten, mit ihnen auch anders als von mir beschrieben umzugehen. Durch die Benutzung der Installationen entstehen immer wieder neue Arbeiten, Bilder, Plastiken, Zeichnungen, Videos, Audioaufnahmen oder Fotoarbeiten, die als Varianten vorangegangener Ergebnisse – letzteren an die Seite gestellt – ihre ständige Veränderung und Erweiterung bewirken sollen.
Die Benutzung eines Objektes geschieht entweder am Ort seiner Lagerung oder im Bedarfsfall in der Roten Grube oder im Fotoraum. Die Benutzung der Objekte ist, wenn nicht ausdrücklich das Gegenteil in der Anleitung vermerkt wurde, grundsätzlich nicht öffentlich. Modelle bleiben auf Wunsch in Film-, Foto- oder Tonaufnahmen anonym. Es gibt keine Zuseher, außer diese sind ident mit Benutzer oder Kameramann. Erst ein dem Objekt beigestelltes Großfoto oder ein auf Sekunden eingekürztes und zur Endlosschleife gelooptes Video zeigt unbeteiligt gewesenen Besuchern des Paradieses die Benutzung des Objektes. Er sieht als solcher daher immer (nur) die Ausstellungsversion der Installation. Ein auf das Wesentlichste eingekürzter Text informiert zusätzlich oder auch nur alleine über die Benutzung eines Gerätes. . .“
aus: Cornelius Kolig, Das Paradies, Die Bedienungsanleitung, Klagenfurt, 2013, Ritter-Verlag