
Cornelius Kolig und sein Paradies. Fotos © Peter Putz, www.ewigesarchiv.at
Das Paradies von Cornelius Kolig (1942–2022) ist ein etwa 5.000 m2 großes Areal in Vorderberg im Gailtal in Kärnten, dem Geburtsort des Künstlers, auf dem seit 1979 Gebäude und Gartenelemente für die darin versammelten Objekte und Installationen entstanden sind. Ältester Teil und Kern des Paradieses ist die „Rote Grube“ (6 x 10 m groß, 3 m tief) im Zentrum der Anlage, für die Anwendung des „Schädelbrechers“ 1979 auf freiem Feld betoniert. Von hier entwickelte sich die Anlage radial nach außen. 1983 folgte die Ummantelung der „Roten Grube“ durch die seitlichen Langhallen „Sau- und Kuhstall“. „Refugium“ und die Mauer im Süden schlossen dann das Atrium und bildeten den „Großen Innenhof“ mit dem „Lilienfeld“. Nächster Bauabschnitt waren 1984 die beiden apsidialen Elemente im Süden und Norden, „Weingarten“ und „Pantheon“ mit der „Gipserei“ und der „Kotstreckerei“, dazwischen im „Vorhof“ das „Schiff“.
„Antrieb für die Realisierung des „Paradieses“ war die Überzeugung, dass aus dem Zusammenwirken, der Zusammenschau und dem symphonischen Zusammenklang vieler aufeinander bezogener Arbeiten ein höherer Grad an Komplexität und Intensität erreicht werden kann, als es durch die vom Kunstbetrieb in der Regel bevorzugte Portionierung künstlerischer Konzepte zu warenverkehrstauglicheren Einzelwerken möglich ist. So entwickelte sich im Laufe mehrerer Jahrzehnte aus ganz unterschiedlichen Elementen wie Werkstätten, Schaulager, Friedhof, Archiv, Innenhöfen Gärten und aus Objekten, Bildern, Plastiken, Hörbildern, Zeichnungen, Natur- und Körperinszenierungen ein untrennbar mit dem Standort verbundenes Lebens- und Gesamtkunstwerk.
Die Bloßlegung und Verstärkung des Sinnlichen und damit Vermittelbaren des Lebens, seiner Schönheit und seiner Schrecken, von Wollust und Ekel, von Liebe, Gewalt, Krankheit, Leid, Tod, berauschter Existenzergriffenheit, des Stoffwechsels, der Farben, des Gestankes, der Wohlgerüche, des Tastens, der Freuden des Schmeckens und des Hörens, in neuen kombinatorischen Verbindungen und Verquickungen ihrer Bedeutungen in multimedial und mit allen Sinnen erfahrbaren Installationen ist Inhalt des „Paradies“-Projektes. Das „Paradies“ ist amoralisch, es wertet nicht . . . “
aus: Cornelius Kolig, Das Paradies. Die Bedienungsanleitung.
Klagenfurt, Wien, Ritter Verlag, 2013